|
 Übersetzung (Erla
Erlín Hansdottír):
Ein
spielender Mönch
Br. Andreas Warler spielte Musik von
Damjakob, Phalese, Schmid,
Bach, Ruppe, Mendelssohn, Claussmann, Decerf, Ingenhoven, Warler und Fletcher.
Sonntag, 18. Juni.
Als ich das letzte Mal meine 8jährige Tochter fragte, was
sie einmal werden möchte, antwortete sie, dass sie Nonne werden will. Als ich
sie fragte, warum, hat sie mir erzählt, weil Nonnen so
viele Tiere haben. Ich verstehe immer noch nicht, wie sie Nonnen mit Tieren
verbindet, aber vielleicht ist es nicht weit hergeholt, als dass ein Mönch Orgel
spielt und CDs produziert.
Man hätte gedacht, dass das Musizieren der Mönche im
ruhigem, meditativen gregorianischen Gesang liegt. Wenn sie nicht musizieren,
pflegen sie dennoch das Gebet und die Meditation genauso
wie die Nonnen.
Aber nicht wirklich: Am Sonntag Abend war ein spielender Mönch in der
Hallgrimskirkja, der mehrere CDs eingespielt hat. Das war Br. Andreas Warler,
und wenn jemand den Gedanken hat, dass er im Ordensgewand gespielt haette, muss
das korrigiert werden: Warler hatte einen gewöhnlichen Anzug an und es war
nichts speziell mönchisches an ihm und er spielte lebendig, fröhlich auf der
gigantischen Orgel der Kirche – es war kein „Mönchsgesang“ zu hören.
Warler begann energisch mit der gigantischen und kräftigen
Fanfare von Damjakob. Danach kam ein buntes Programm mit Werken alter Größen
wie Bach und Mendelssohn aber auch weniger bekannter Komponisten wie Decerf
(geb. 1942).
„Lumina“ von Decerf war das interessanteste Werk im Programm, eine Art von
Meditation über die Bedeutung des Lichtes. Typisch für
die Musik waren schnelle und scharfe Kontraste von Licht und Schatten, die eine
tief gehende Spannung erzeugten, und Warler hat diesen
Kampf besonders fachmännisch interpretiert. Niemals gab
es einen toten Punkt in seiner Interpretation und der Verlauf der Musik war sehr
eindrucksvoll.
Vielleicht könnte man Warler kritisieren, dass er hin und wieder ähnliche
Registrierung benutzte. Die Passacaglia von Bach war zu monoton registriert. Ich
hatte den Eindruck, dass er ein bisschen mehr Zeit an der Orgel hätte
haben sollen. Die Balance zwischen verschiedenen Stimmen hätte
besser sein können, ab und zu waren die hohen Stimmen schreiend, aber die tiefen
ohne Farbe. Dies verursachte einen oberflächlichen
Gesamtklang. Warlers Interpretation war dennoch energisch
und das Fingerspiel meistens klar, deutlich war zu hoeren, dass eine tiefe
Kenntnis dahinter stand.
Hervorgehoben werden muss die Improvisation, die fabelhaft war. Modern mit amüsierenden
frohen mittelalterilichem Unterton. Hoffentlich kann man den Mönchen hier öfter
spielen hören.
zurück |